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«Milchstreik» der Bauern: Davoser sind nicht unzufrieden, jedoch...

05.06.2008 Archiv Davoser Zeitung

Die Bauern sehen Milchpreiserhöhung als Teilerfolg, die Molkerei Davos kalkuliert am Limit

 

Die Kunde verbreitete sich am Samstag in Davos als Lauffeuer: «Bei Florian Schamaun gibts Gratis-Milch. Er erklärt sich solidarisch und liefert nicht mehr in die Molkerei, bis es Bewegung gibt in den Milchpreis-Strukturen.»

 

Hans Zimmermann

 

Andere Davoser Milchbauern waren bereit, es ihm gleichzutun und ebenfalls zu «streiken», wie dies in der ganzen Schweiz etwa 10000 Bauern getan haben. Zum Glück mussten sie nicht, denn es konnte innert Frist eine Einigung mit den vier grossen Molkereien Emmi, Cremo, Elsa und Hochdorf gefunden werden. Die Produzenten erhalten ab dem 1. Juli sechs Rappen mehr pro Liter Milch, und die nächste Preisrunde ist auf Ende Jahr festgesetzt. Erklären sich die Bauern mit dem Verhandlungsergebnis als halbwegs zufrieden, so gibt Werner Stoffel, Betriebsleiter der Molkerei Davos, offen zu, dass für seinen Betrieb in einem unerbittlichen Preiskampf harte Zeiten anstünden.

 

Wer erhält wie viel für was?
 

 

Sicher ist: Die Preisbildung bei der Milch ist einigermassen kompliziert, und vor allem sind die Preise gemäss Angebot und Nachfrage saisonalen Schwankungen unterworfen. Florian Schamaun sagt, derzeit erhalte er für das Kilo 69 Rappen, das sei fast ein Tiefstpreis. Schamaun produziert derzeit täglich 700 Kilo, drei Tage hat er «gestreikt». Man rechne... Ausbezahlt werden unsere Bauern von der «Nordostmilch AG» in Sargans, welche in unserem Davoser Fall für die Administration verantwortlich ist. Die Molkerei Davos wiederum sammelt, verarbeitet, verpackt und vermarktet, muss aber die Davoser Milch bei der «Nordostmilch AG» kaufen. Im Jahresmittel bezahlt sie 78 Rappen pro Kilogramm und verarbeitet täglich 15000 Kilogramm. Der Konsument wiederum bezahlt beispielsweise im Coop 1.45 Franken für den Liter Vollmilch. Werner Stoffel von der Molkerei sagt klar: «Diese Preise hängen vom europäischen Markt ab. Sie sind vorgegeben von jenen für Milchpulverkonzentrat.» Die Molkerei selber kalkuliere am Limit, denn die Verarbeitungskosten seien durch hohe Energiepreise und gestiegene Preise für Verpackungen enorm gestiegen. «So sehr wir den Bauern einen fairen Milchpreis gönnen: Für uns wird das Ganze zum Rappengeschäft. Da müssen wir durch, denn die Konkurrenz ist unheimlich stark.»

 

Sechs Rappen für die Bauern


Die Bauern erhalten nun also sechs Rappen mehr pro Kilo Milch. Die Begeisterung darüber hält sich in Grenzen, hat man doch zehn Rappen gefordert. Die Grosshändler lassen verlauten, dass damit Milchprodukte ab 1. Juli für den Konsumenten rund acht Prozent teurer würden. Ende Jahr steht eine neue Preisrunde bevor. Noch ist nicht ganz klar, wie weit Schweizer Produkte vom europäischen Preisniveau abgeschottet werden können und sollen. Eines aber ist sicher: als «Sieger» aus dem «Milchstreik» werden die Grossverteiler hervorgehen.

 

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