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Trotz gültigen Mietverträgen werden die Mieter im Mühlehof aufgefordert, ihre Wohnungen über Ostern innert acht Tagen zu räumen. Als sich diese weigern, fallen Heizung und Warmwasserversorung aus, zwei Tage später die komplette Wasserversorgung. Alles nur Zufall? Daran wollen die betroffenen Mieter nicht glauben, zumal sich weitere Eigenartigkeiten zutragen.
Bernhard Camenisch
Auf dem Areal Mühlehof soll eine Appartementanlage entstehen. Bevor mit den Bauarbeiten begonnen wird, sind die Wohnungen von der SPI Real Estate AG mit Sitz in Sarnen OW bis zum 15. April, einige auch bis zum 30. April, an Saisonniers und Feriengäste vermietet worden. Klauseln oder Kündigungsfristen sind in den Mietverträgen keine aufgeführt. Nun soll der Mühlehof aber früher als geplant abgerissen werden: «Ein Baustart drängt sich bereits am 6. April auf», heisst es im Rundschreiben vom 28. März, in dem die Mieter aufgefordert werden, ihre Wohnungen bis zum Abend des 5. Aprils, Ostermontag, zu räumen. Als Ersatz wird ihnen ein Zimmer im Hotel Alexander offeriert. Das sei ein sehr faires Angebot gewesen, sagt Manfred Löer, Verwaltungsratspräsident der SPI Real Estate AG. «Benützung des Wellness-Bereichs und Frühstück im Hotel gehörten dazu. Von der menschlichen Seite her haben wir alles getan.»
Wurde sabotiert?
«Dieses Schreiben kam aus heiterem Himmel. Nicht alle sahen die Möglichkeit, ihre Wohnungen so kurzfristig zu räumen», sagt Christof Plümacher, einer der betroffenen Mieter. Er und sieben weitere Personen wohnen auch am Ostersonntag noch im Mühlehof, als die Heizung und Warmwasserversorgung ausfallen. Zwei Tage später ist die komplette Wasserversorgung dahin. Das Wasser sei von der Gemeinde Davos abgestellt worden, begründet Löer. Kreispräsident Peter Christen staunt ob dieser Formulierung. Wohl habe der zuständige Angestellte der Gemeinde Davos den Wasserzähler im Mühlehof ausgebaut, aber dies aufgrund eines Auftrags, der nicht von der Gemeinde gekommen sei. Die Mieter bezweifeln derweil Löers Erklärung, die Heizung sei aus Altersgründen ausgefallen. Sie gehen von Sabotage aus und dokumentieren etwa angesägte Rohre mit Fotoaufnahmen. Auf Verfügung des Kreisamts Davos wird die SPI Real Estate AG am 6. April angewiesen, Heizung und Wasser wieder anzustellen. Letzteres geschieht unter superprovisorischer Regelung am 8. April. Gemäss einer zweiten Verfügung vom 9. April heisst es, die SPI Real Estate AG habe Elektroheizungen oder Gleichwertiges zur Verfügung zu stellen und mit provisorischer Anschliessung für warmes Wasser zu sorgen. Beides geschieht nie. Im Gegenteil: Obwohl es in den Verfügungen heisst, dass geplante Bautätigkeiten nicht begonnen oder wieder eingestellt werden, sofern dadurch Mietverhältnisse tangiert werden, fahren am vergangenen Montag Bagger vor und beginnen, den Eingangsbereich des Hauses zu demolieren. Nach seinen Informationen sei niemand tangiert worden, sagt Löer. Gleichwohl werden die Bagger am Dienstag wieder abgezogen.
Eine Einigung erzielt
Mittlerweile steht der Mühlehof leer, die Bauarbeiten haben begonnen. Mit sämtlichen Mietern, die bis gestern nicht vertragsbedingt ausgezogen sind, wurde gemäss Löer eine Einigung über eine finanzielle Entschädigung erzielt. Über die Summe herrscht Stillschweigen, doch Plümacher spricht von einer gütlichen Einigung. «Es wurden keine grossen Beträge überwiesen. Die wollten uns ohnehin nur ‹abkochen›», sagt Löer, der einräumt, dass es vom betreffenden Angestellten ein Fehler gewesen sei, in den Verträgen keine Klauseln und Kündigungsfristen aufzusetzen. Eine Busse wegen der nicht nachgekommenen Verfügung des Kreisamts muss die SPI Real Estate AG keine befürchten. «Ich kann nur Personen büssen, aber kein Unternehmen, das als AG geführt wird», erklärt Christen. Eine seltsame Rolle spielte in diesem Fall auch die Kantonspolizei. Der Davoser Postenchef Ernst Waldmeier weigerte sich gemäss Mühlehof-Mietern, am 9. April die von vier Personen beabsichtigte Strafanzeige wegen Nötigung anzunehmen. «Das stimmt nicht. Mündlich haben wir
die Anzeige entgegengenommen», sagt er auf Anfrage.
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