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Wie weiter mit der Kinderklinik?

08.09.2008 Archiv Davoser Zeitung

Jahresbericht 2007 der Alpinen Kinderklinik Davos veröffentlicht

 

 

«Wir versetzen Berge» – so der Titel des Jahresberichtes 2007 der Alpinen Kinderklinik Davos (AKD), eine Fähigkeit, die schon bald gefragt sein könnte, weist doch die Rechnung 2007 einen Verlust von 1,896 Millionen Franken auf. Dem Bericht der Revisionsstelle Riedi Ruffner Theus AG zufolge ist «die Liquidität der Stiftung gemäss Liquiditätsplanung bis Juli 2008 sichergestellt». Die «Davoser Zeitung» hat nachgefragt.

 

Thomas Günter 

 

«Auf der Basis der heutigen Situation können wir betriebswirtschaftlich nicht mehr weiterexistieren», räumt a. Landammann und Stiftungsratspräsident Dr. Luzius Schmid denn auch gleich zu Beginn des Gespräches ein, «aber wir haben Geldgeber», so Schmid weiter. Schon vor acht Jahren hätte die AKD wegen Illiquidität geschlossen werden sollen. Und obwohl die Revisionsfirma das Ende auf Juli 2008 prognostiziert hätte, habe die Stiftung keine Betreibungen erhalten, sondern sei im Gegenteil daran, die Liquidität zu sichern.

 

Abbruch des «Valbella»?
An Problemen mangelt es gleichwohl nicht: So ist erstens die räumliche Situation im jetzigen Gebäude alles andere als befriedigend. Abhilfe würde hier der auf 1. September 2008 geplante Umzug in die ehemalige Höhenklinik Valbella schaffen. Dieser könne aber – wenn überhaupt – frühestens im Frühling 2009 erfolgen, denn beim Umbau sind erhebliche statische Probleme aufgetreten. Baufirmen sprechen gar davon, dass ein Abbruch dieses Gebäudes unumgänglich sei.

 

Probleme beim Kanton…
Das Hauptproblem sei, so Luzius Schmid, dass der Kanton Graubünden noch nicht zugesichert hat, die AKD auf der Liste der subventionierten Spitäler zu belassen. Dies könnte dazu führen, dass die übrigen Kantone auch keine Beiträge mehr an die AKD leisteten. Da bis zu diesem Zeitpunkt die Kosten je zur Hälfte zwischen dem Wohnkanton des Patienten und der Krankenkasse übernommen worden waren, verursachte diese Subventionskürzung einen Rückgang der Pflegetage. Für einen rentablen Klinikbetrieb wären rund 14000 Pflegetage pro Jahr nötig. Im Moment weist die Statistik gerade einmal die Hälfte davon aus. Dennoch hofft Schmid auf bessere Zeiten, habe man doch dem Kanton ein neues Gesuch auf Subventionierung gestellt, das demnächst beantwortet werden sollte. Gemäss Krankenversicherungsgesetz (KVG) sind die Krankenkassen verpflichtet, 50 Prozent der Kosten zu übernehmen, sofern der Rest von Kanton bzw. der Gemeinde bezahlt wird. Für das Jahr 2007 und 2008 hat die Landschaft Davos Gemeinde die entsprechenden Kosten übernommen.

 

…und beim Bund
Ein drittes Problem liegt in der fehlenden Anerkennung der Behandlung adipöser (krankhaft dicker) Kinder, auf die sich die AKD spezialisiert hat, durch die eidg. Leistungsverordnung. Diese sieht vor, dass nur noch Adipositastherapien am Wohnort des Patienten bezahlt werden, womit dem ganzen stationären Therapieprogramm, das die AKD unter Dr. Bruno Knöpfli entwickelt hat, buchstäblich der Teppich unter den Füssen weggezogen worden ist. In diesem Bereich kann die AKD im Moment noch auf Unterstützung durch die «Gottfried und Julia Bangerter-Rhyner Stiftung» zählen, dank deren Beitrag einige krankhaft übergewichtige Kinder und Jugendliche eine stationäre Behandlung in der AKD antreten können. Zudem sei Chefarzt Knöpfli in Kontakt mit der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie, um eine Aufnahme der stationären Adipositastherapie in den Leistungskatalog zu erwirken. Weitere Überlebenshilfe erhält die AKD von der «Ehmann-Stiftung», Savognin, wie dem Jahresbericht zu entnehmen ist.

 

Weiterhin angespannt
Dennoch bleibt die Situation angespannt: «Wenn wir nicht umziehen können und vom Kanton nicht mehr subventioniert werden, müssen wir schliessen», so Luzius Schmid. Dadurch wäre die Existenz des interdisziplinären Teams von ca. 80 Mitarbeitenden (rund 60 Vollzeitstellen) gefährdet.

 

Raum für Spekulationen
Immerhin scheint der Umzug in ein neues Gebäude gesichert, hat die AKD laut Schmid doch einen unterzeichneten und sogar im Grundbuch eingetragenen Mietvertrag, den die Gegenseite erfüllen müsse. Gegenwärtig seien auch keine Anzeichen vorhanden, dass die Gegenseite nicht erfüllen werde.
Sollten allerdings die Gebäulichkeiten der ehemaligen Klinik Valbella tatsächlich abgebrochen werden, böte sich für einen Umzug der AKD wohl das Alexanderhaus an, das dem gleichen Investor gehört. Nach dem Umzug könnte dann das Gebäude an der Scalettastrasse verkauft werden, was die Liquiditätsprobleme der AKD beheben würde. Interessierte Investoren sind jedenfalls vorhanden, allerdings besteht (noch) Uneinigkeit über den Kaufpreis für das Gebäude. Müsste die Stiftung liquidiert werden, fiele das verbleibende Vermögen der Stiftung laut Stiftungsurkunde an die Landschaft Davos Gemeinde, so Schmid.

 

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