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Sinnvoller Verkauf des Bündahofs

22.12.2008 Archiv Davoser Zeitung

Am 4. Dezember 2008 hat der Grosse Landrat den Verkauf der Liegenschaft Bündahof mit 14 gegen 2 Stimmen gebilligt. Die Grünen Davos haben gegen den Verkauf das Referendum ergriffen. Die «Davoser Zeitung» beleuchtet die Hintergr

Thomas Günter

 

Das Abstimmungsergebnis im Grossen Landrat ist eindeutig, und die beiden Nein-Stimmen zum Geschäft sind aus unterschiedlicher Motivation heraus entstanden: so bemängelte FDP-Landrat Christian Markutt den seiner Ansicht nach «weit unter dem Marktwert liegenden» Verkaufspreis, während der Grüne Rolf Marugg das Verschwinden «bezahlbaren Wohnraumes für Einheimische» monierte. Was hat es damit auf sich?

 

Erhaltenswert
So viel ist sicher: Der Bündahof ist eine der wenigen historischen Bauten in Davos Dorf. Der aus einem Wohnhaus mit angegliedertem Doppelviehstall bestehende Hof prägte zusammen mit dem Heimatmuseum und anderen Höfen bis Ende des 19. Jahrhunderts das Bild der ehemaligen Streusiedlung. Die Geschichte des Bauernhauses reicht zurück ins Mittelalter. Aus dieser Zeit stammen die Kellerbauteile. Das 1. Obergeschoss dürfte im 15. oder 16. Jahrhundert umgebaut und das 2. Obergeschoss Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sein.

 

Schlechte Rendite
Der Bündahof beinhaltet heute fünf Wohnungen, die zurzeit leer stehen. Die Mietverhältnisse sind Ende November 2008 aufgelöst worden. Der durchschnittliche Mietertrag hat sich laut den Unterlagen des Kleinen Landrates auf 17580 Franken belaufen. Diesem Betrag sind jährliche Investitionen von 11000 Franken gegenübergestanden.

 

Immense Investitionen
Um den Bündahof langfristig zu erhalten und um nach dessen Sanierung einen zeitgemässen Wohnstandard anbieten zu können, sind Investitionen in der Höhe von drei bis vier Millionen Franken nötig. Diese Investitionen könnten nach geltendem Mietrecht zu 40 bis 70 Prozent auf den Mietzins abgewälzt werden, so denn noch Mietverhältnisse bestünden. Nachdem keine Mietverhältnisse mehr bestehen, kann der Mietpreis nach erfolgter Renovation neu festgelegt werden.
Nach einer Investition, wie sie im Falle des Bündahofs nötig ist, wäre es deshalb nicht mehr möglich, die Wohnungen einerseits nach den bestehenden Richtlinien für die Vermietung von Gemeindewohnungen auf den Markt zu bringen, und andererseits jene Kapitalverzinsung von mindestens drei Prozent zu erreichen, welche der Kleine Landrat als minimale Zielsetzung für Liegenschaften des Finanzvermögens betrachtet.

 

Öffentlich inseriert
Vor dem Hintergrund dieser Fakten hat sich die Gemeinde entschieden, die Liegenschaft zum Verkauf anzubieten. Die entsprechenden Angebote, die von einer Arbeitsgruppe gesichtet und bewertet worden sind, waren entweder – dem hohen Investitionsbedarf entsprechend – relativ tief, oder weckten Befürchtungen, die historisch bedeutende Baute könnte der Spekulation zum Opfer fallen. Zudem standen die Angebote in Widerspruch zu den Bedürfnissen des Organisationskomitees von «Davos Nordic», welches eine den Bestimmungen der FIS entsprechende Loipenführung gewährleisten muss.

 

«Davos Nordic» sichern
Die vor zwei Wochen vom Grossen Landrat verabschiedete Lösung, über die – Erfolg des Referendums der Grünen Davos einmal vorausgesetzt – demnächst das Volk zu entscheiden haben wird, bringt die zum Teil sehr entgegengesetzten Bedürfnisse aller involvierten Parteien unter einen Hut, indem sich die Kindschi Immobilien AG (nicht zu verwechseln mit der Kindschi Söhne AG) als Käuferin verpflichtet, das Wohngebäude des Bündahofs zu erhalten und zu sanieren und an- stelle des Stalles ein maximal zwei- allenfalls dreigeschossiges Gebäude zu errichten. Darüber hinaus verpflichtet sie sich, «Davos Nordic» ein Baurecht für die Loipe einzuräumen, auf dem Gelände Tribünen errichten zu lassen und den Zugang für die Öffentlichkeit zu gewährleisten. Zudem darf «Davos Nordic» die Loipenführung auf der angrenzenden Parzelle der Firma Kindschi weiterführen.
Nach Ansicht von Michele Borsotti, VR der Kindschi Immobilien AG, schlagen sich derartige Auflagen zwangsläufig in einem etwas tieferen Verkaufspreis nieder. «Der Entscheid für oder gegen den Verkauf in der vom Landrat genehmigten Form kann auch als Entscheid für oder gegen ‹Davos Nordic› betrachtet werden», so Reto Branschi, Präsident des Ski-Clubs Davos und Vizepräsident des Organisationskomitees von «Davos Nordic».

 

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