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Die Prättigauer Industriereferate im Innozet, dem Innovationszentrum der Trumpf Grüsch, stossen auf grosse Beliebtheit. Wo sonst bekommt man höchst komplexe Themen von redegewandten Fachleuten allgemein verständlich erklärt? Vergangene Woche ging es um die gegenwärtige Finanzkrise.
Dr. Josef Ackermann ist Vorsitzender des Vorstandes und des Group Executive Committee der Deutschen Bank AG. Seine Wurzeln hat der Finanzfachmann allerdings in der Südostschweiz: 1948 in Mels geboren, studierte er an der Uni St. Gallen und arbeitete ab 1977 unter anderem für die Credit Suisse First Boston. Unter anderem war er an der Übernahme der Volksbank massgeblich beteiligt. Im Oktober 1996 wurde der Oberst in den Vorstand der Deutschen Bank AG gewählt. Neben weiteren Karriereschritten wurde er vor zwei Jahren Mitglied im Aufsichtsrat der Siemens; 2007 durfte er eine Gastprofessur in London antreten. Bei der Deutschen Bank ist Ackermann mittlerweile Vorsitzender des Vorstandes und des Group Executive Committee.
Kein Wunder, dass die zahlreich anwesenden Zuhörerinnen und Zuhörer gespannt auf seine Äusserungen zu der laufenden Finanzkrise waren. Eingeführt und vorgestellt wurde der Referent von der Bündner Nationalrätin Brigitta M. Gadient.
Problem wird zur globalen Krise
«Angefangen hat es im Juli vergangenen Jahres», erklärte Ackermann, «als ich mich mit den Chefs der drei grössten Banken traf und wir feststellten, dass ein kleines Kreditproblem anstand.» Immer mehr Kredite wurden an – oft arbeitslose – Personen mit wenig Vermögen und Einkommen vergeben. Drei Monate später, so Ackermann, sei er als einziger der vier Fachleute noch im Amt gewesen, und man habe bemerkt, dass «etwas viel Grösseres am Entstehen sei». Da die Probleme globaler Natur waren, zog die «kleine» Krise immer grössere Kreise. Nicht nur in Krediten, auch in Wertpapierschriften tauchte das Problem auf. Millionen kleine Investoren begannen, ihre Wertpapiere zu verkaufen, was einen Preiszerfall mit sich zog.
Noch kein Ende in Sicht
Dr. Josef Ackermann konnte leider noch keine Entwarnung geben. «Die Krise zu Anfang der Neunzigerjahre dauerte bei uns 5 bis 6 Jahre, die grosse Krise in Japan sogar 15 Jahre.» Obschon die Schweizer Banken bis zu 60 Mrd. Franken abgeschrieben haben, dauere es lange, bis das Gleichgewicht wieder hergestellt sei. Doch die Finanzkrise hätte Einfluss auf die Wirtschaft, referierte Ackermann weiter, denn die Bereitschaft, Kapital zu investieren, sei bei den Banken merklich gesunken, dass sie mehr Eigenkapital brauchten.
«Die Krise hat weltweit den Spreu vom Weizen getrennt», befand Ackermann. Schritte zur Reduktion der Zinsen begrüsste der Finanzexperte. In Amerika, wo man neben der Stabilität auch auf das Wachstum des Bruttoinlandprodukts zu achten habe, würden die Zinsen nach unten korrigiert, bei uns jedoch nach oben.
Keine globale Rezession
Doch nicht nur diese Finanzkrise bereitet Kopfzerbrechen: Obschon ein Scheitern der WTO-Runde eine Katastrophe wäre, schloss Ackermann momentan eine globale Rezession aus. «Ich erwarte bei uns keine Rezession, sondern eher eine Stagna-tion», präsentierte der Redner seine Bemerkungen. «Die Freude darüber, dass es den Banken schlecht geht, nützt nichts», ergänzte Professor Dr. Berthold Leibinger das Votum Ackermanns. Als möglichen Grund für die Finanzkrise nannte Leibinger das «verlorene Mass bei der Kreditvergabe», wobei auch bei der Vorsorge Mass gehalten werden sollte. Leibinger berief sich auf die vier Tugenden, welche Sokrates schon benannt hatte: Mass, Wahrheit, Tapferkeit und Gerechtigkeit.
Besucher jeglichen Alters
Unter den zahlreichen Gästen, vom Twen bis zum «Nani» in den Neunzigern, wurden auch zahlreiche bekannte Gesichter entdeckt. So sah man alt Regierungsrat Klaus Huber im Gespräch mit seinem Nachfolger Hansjörg Trachsel; der frühere Standespräsident Leo Jeker verfolgte den Vortrag ebenso interessiert wie der Klosterser Grossrat Roger Vetsch.
c.
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